Ein leuchtender Kürbis steht auf einem alten Holztisch in einem nebligen Herbstwald, darüber der Vollmond

Halloween und dein Mond: das Gesicht darunter

Ein Abend mit einem anderen Gesicht

Am 31. Oktober klingeln abends Kinder als Hexen und Gespenster an der Tür. Erwachsene ziehen los als jemand, der sie sonst nie wären. An diesem einen Abend ist es ganz normal, ein Gesicht zu tragen, das nicht das eigene ist.

Eigentlich tun wir das öfter, als wir denken. Jeder hat eine Art, einen Raum zu betreten, und eine andere, wenn die Tür hinter ihm zu ist. Halloween macht nur sichtbar, was sonst leise passiert. Und dahinter steckt eine lange Geschichte.

Woher der Abend kommt

Halloween ist die Kurzform von „All Hallows’ Eve“, dem Vorabend von Allerheiligen. Der Brauch ist aber älter als das Kirchenfest. Bei den Kelten hieß die Nacht Samhain. Sie beendete die Erntezeit, und mit ihr begann die dunkle Hälfte des Jahres.

Man glaubte, in dieser Nacht liege die Grenze zur anderen Welt dünn. Wer sich verkleidete, wurde von dem, was herüberkam, nicht erkannt. Die Maske war damals also ein Schutz. Irische Auswanderer haben den Brauch später nach Amerika gebracht, und von dort kam er mit Kürbissen und Süßigkeiten zurück nach Europa. Der alte Gedanke steckt aber noch darin: Man zeigt ein anderes Gesicht, damit das eigene verborgen bleibt.

Mitten im Skorpion

Dass der Abend in die Zeit des Skorpions fällt, passt dazu. Die Sonne steht vom 23. Oktober bis etwa zum 22. November in diesem Zeichen. Samhain lag im alten Kalender ungefähr in der Mitte zwischen Herbstanfang und Wintersonnenwende, also genau in dieser Zeit.

Der Skorpion zeigt von allen Zeichen am wenigsten von sich. Viele halten ihn deshalb für verschlossen. Ich sehe es anders: Er überlegt sich genau, wen er hereinlässt, weil er dann nichts mehr zurückhält. Mehr dazu steht im Beitrag Sonne im Skorpion.

Was der Skorpion im Großen ist, kennt jeder von uns im Kleinen: eine Seite, die man zeigt, und eine, die man für sich behält.

Das Gesicht und das, was darunter liegt

In der Astrologie gibt es für diese beiden Seiten ein schönes Bild. Die Sonne steht für das, was man von dir sieht: wie du auftrittst, was andere von dir kennen. Das ist keine Maske im Sinne von falsch. Es ist echt, nur eben die Seite, die nach außen zeigt.

Der Mond steht für das andere. Für das, was du wahrnimmst, bevor du etwas sagst. Für das, was dich beruhigt oder unruhig macht. Für die Art, wie du bist, wenn niemand zusieht. Er leuchtet nicht aus sich selbst, er wird angeleuchtet, und meistens sieht man nur einen Teil von ihm. Wie viel, hängt davon ab, wo die Sonne steht.

Der Vollmond über dem Kürbis

Auf fast jedem Halloween-Bild hängt ein Vollmond am Himmel. In Wirklichkeit ist er an diesem Abend selten voll. Das kommt nur etwa alle 19 Jahre vor, weil sich die Mondphasen erst dann wieder auf dieselben Tage legen.

Trotzdem gehört er ins Bild. Bei Vollmond stehen sich Sonne und Mond genau gegenüber, und die Sonne beleuchtet ihn ganz. In der Skorpion-Zeit steht er dann immer im Stier, dem Zeichen gegenüber. Für einen Abend, an dem es ums Verbergen geht, ist das ein schönes Gegenbild: In einer Vollmondnacht ist das, was sonst im Schatten liegt, ganz zu sehen.

Was der Abend in dir sein kann

Wer Halloween so liest, findet darin mehr als ein Kostümfest.

Da ist zuerst das Kostüm selbst. Wer sich für einen Abend aussuchen darf, wer er ist, nimmt selten etwas Zufälliges. Die Hexe, der sich niemand in den Weg stellt, die Gestalt, die nachts unterwegs ist, wenn alle schlafen: Oft ist es eine Seite, die im Alltag keinen Platz bekommt. Manchmal sagt die Verkleidung mehr über jemanden als das Gesicht darunter.

Dann die Angst. Halloween spielt mit ihr. Man zieht sich an wie das, wovor man sich gruselt, und lacht darüber. Das ist eine sehr alte Art, mit Angst umzugehen: hinsehen statt wegsehen. Kinder zeigen es am deutlichsten. Ein Gespenst ist weniger schlimm, wenn man selbst eins sein darf.

Und schließlich das Ende der Ernte. Zu Samhain lag in der Scheune, was gewachsen war, und was nicht reif geworden war, blieb auf dem Feld. Die Frage passt auch ohne Feld noch: Was hat dieses Jahr getragen, und was darf draußen bleiben?

In der Nacht vor Allerheiligen, so die alte Vorstellung, liegen die Welten nah beieinander. In uns gibt es auch so eine Grenze, zwischen dem, was wir zeigen, und dem, was wir fühlen. An manchen Abenden ist sie dünner als sonst.

An Halloween darf jeder ein anderes Gesicht tragen. Vielleicht ist es auch ein guter Abend, sich das eigene genauer anzusehen.


Der Funke — Sonne im Skorpion Sechs Seiten zu deiner Kombination aus Sonne und Mond. Kein Test, keine Liste. Zur Konstellation

— Ray

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